Der Robert W. Sackl-Kahr Sagostin Showroom

Im heurigen Jahr ganz meiner Traumstadt gewidmet: Venedig. Photographisch festgehalten in Bildern, die ausschließlich in der Nacht entstanden sind. In meinem, von den quadratischen Suchern der verwendeten Mittelformatkameras, beeinflussten Sehfeld.

So viele Erinnerungen wecken diese Bilder in mir. Bartolomeo Vivarini. Veronese. Die wunderschöne griechische Frau des ersten Dogen. Sansovinos Kirchen. Das Licht der Lagunen bei Tagesanbruch, das zum Schlafengehen gemahnt. Betagte Rosenstöcke in schattigen Gärten hinter den Palazzi um den Campo San Barnaba. Gentile Bellinis „Wunder des heiligen Kreuzes”. Der venezianische Dialekt, in dem sich Glockenklänge der Marangona, Taubengeflatter und Melodien von Domenico Cimarosa, Baldassare Galuppi, Claudio Monteverdi und Benedetto Marcello finden.

Besonders die Giudecca, Ort meiner frühesten Kindheit. Der Vorschulzeit. Ein Diarium verschwommener Erinnerungen an sonnendurchflutete Nachmittagsstunden mit meinem Stiefvater im Garten der Casa Frollo. Seine Pilgerreisen zu den Werken der Accademia. Seine jahrelangen freundschaftlichen – aber lautstarken – Auseinandersetzungen über die Zusammensetzung von Tizians Ölfarben mit dem großen Guido Perocco. Eine Abendgesellschaft mit Adriana Ivancich, der letzten Liebe Hemingways, im Palazzo in der Calle di Rimedio. Der – mir damals aufgrund seines Bartes – furchteinflößende Friedensreich Hundertwasser. Das Atelier hatte er im benachbarten Palazzo. Er erschien manchmal unerwartet und unbekleidet zum Tee über den Garteneingang. Unzählige Premierenfeiern im Teatro Fenice. Hitze und Licht, das an feuchtkalten Wintertagen die Öfen der Glasbläsereien auf Murano ausstrahlten und mich wärmten. Das alles verkörpert diese wunderbare Stadt für mich.

Viel später kam ich zurück ins Paradies und konnte in den frühen 80er-Jahren nach Milano und Parma die letzten Semester hier studieren. Und war seit dieser Zeit stets nächtens unterwegs – um zu erkunden, zu photographieren, zu trinken. Denn:

Nur in der Nacht ist Stein glänzende Tierhaut.
Lichtreflexe der Straßenlaternen tätowieren Hausfassaden.
Farben werden schwarz, manchmal weiß.
Menschenlos Treppen, Brücken, Kanäle.
Ratten, Katzen und Pumas leben im Schatten!

Urenkel der Dogen.

Das sind die Nächte.
Das sind meine Nächte.
Das sind meine venezianischen Nächte.


Wie meinte Guido Perocco Ende der 60er-Jahre so treffend:

„Venedig erscheint uns, schon bei der ersten Begegnung, wie eine Erinnerung an ein halb vergessenes Märchen, ferne der Wirklichkeit, im goldenen Licht der Träume und der Erzählungen aus der Zeit unserer Kindheit“.

Venezia, già dal suo primo incontro, riappare come memoria lontana della fantasia, al di là della realtà stessa, con la luce dorata dei sogni e i racconti dell ́infanzia.

Venice, even at first meeting, is a familiar vision, returned to us out of the long ago memory of dreams, a thing outside and beyond reality, bathed in the golden light of fantasy and the fairy-tales of childhood.

Le souvenir de Venise, quand nous abordons pour la première fois, réaffleure en nous comme une lointaine réminiscence de notre imagination, hors de toute réalité, dorée par les rêveries et les récits de l’enfance.

Guido Perocco (1916-1997), Kunsthistoriker, Direktor Il Museo d’Arte Moderna di Venezia. Ca‘ Pesaro. Showroom-Fotos: © Wolfgang Croce

Besuche des Showrooms inkl. Dialog mit dem Künstler sind nur nach Terminvereinbarung unter +43 676 70 771 70 möglich.

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